Palettenherstellung

Paletten kennzeichnen: Brandstempel, Tintenstrahl, Etiketten

Brandstempel, Stempelfarbe, Tintenstrahl, Etiketten, RFID und QR-Codes im Vergleich, dazu die Regeln von ISPM 15 und EPAL zu Lesbarkeit, Platzierung und Dauerhaftigkeit.

TamEpalAktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Paletten werden aus drei Gründen gekennzeichnet: um die Einhaltung von Vorschriften nachzuweisen (die ISPM-15-Kennzeichnung), um den Hersteller oder das Poolsystem zu identifizieren (Marken wie EPAL) und um die Ladung zu verfolgen (Etiketten, Barcodes, RFID oder QR-Codes). Für jeden Zweck gelten eigene Regeln, und das Verfahren muss die Kennzeichnung über die gesamte Lebensdauer der Palette dauerhaft und lesbar halten.

Arten von Kennzeichnungen auf einer Palette

Zweck Beispiel Wer die Regeln festlegt
Pflanzenschutzrechtlich ISPM-15-Kennzeichen mit Ländercode, Erzeugernummer und Behandlungscode Nationale Pflanzenschutzorganisation (NPPO) nach ISPM 15
Marke und Lizenz EPAL-Oval mit Lizenznummer, Jahr und Monat; Pool-Logos Eigentümer des Palettensystems oder Pools
Herstellerkennzeichnung Firmenname, Logo, Chargen- oder Datumscode Der Hersteller, mitunter der Kunde
Logistikkennzeichnung SSCC-Etikett, Barcode, QR-Code, RFID-Transponder Kunde, Lieferkettenstandards; siehe Palettenetikettierung und SSCC
Handhabungshinweise Maximale Last, „Nicht stapeln“, Ausrichtung Kunde oder Verpackungsnormen

Behördlich vorgeschriebene Kennzeichen dürfen nie mit kommerziellen Kennzeichen verwechselt werden. Ein Logo oder Etikett kann ein ISPM-15-Kennzeichen nicht ersetzen, und ein ISPM-15-Kennzeichen sagt nichts über Qualität oder Eigentum aus.

Das ISPM-15-Kennzeichen: Inhalt und Aussehen

Der internationale Standard ISPM 15 verlangt, dass behandeltes Verpackungsholz ein Kennzeichen mit mindestens diesen Elementen trägt:

  • das IPPC-Symbol (das Ährensymbol)
  • den zweibuchstabigen ISO-Ländercode und eine eindeutige, von der NPPO dem Erzeuger zugewiesene Nummer
  • den Behandlungscode, etwa HT für Hitzebehandlung, MB für Begasung mit Methylbromid, DH für dielektrische Erwärmung oder SF für Sulfurylfluorid

Der Standard verlangt, dass das Kennzeichen lesbar, dauerhaft und nicht übertragbar ist und an gut sichtbarer Stelle angebracht wird, vorzugsweise auf mindestens zwei gegenüberliegenden Seiten der Einheit. Bei Paletten können die Innenseiten der Klötze zulässig sein, weil Kontrolleure sie einsehen können. Das Kennzeichen darf nicht von Hand gezeichnet werden, und auf Rot und Orange sollte verzichtet werden, da diese Farben bei der Gefahrgutkennzeichnung verwendet werden. Das vollständige Layout und Beispiele finden sich unter das ISPM-15-Kennzeichen.

Kennzeichnen dürfen nur Betriebe, die im System der NPPO zugelassen sind, und zwar erst nach Abschluss der Behandlung oder unter Aufsicht im Rahmen des Programms. Ein Kennzeichen ohne Behandlung anzubringen, ist ein schwerer Verstoß; siehe Verstöße gegen ISPM 15.

Kennzeichnungsverfahren im Vergleich

Brandstempel (Heißprägung)

Ein beheizter Metallstempel brennt das Kennzeichen ins Holz. Es ist dauerhaft, lässt sich nicht leicht übertragen und widersteht Regen, Abrieb und wiederholter Handhabung.

  • Vorteile: sehr haltbar, außer den Stempeln keine Verbrauchsmaterialien, überall anerkannt
  • Nachteile: erfordert Temperaturregelung und Belüftung; auf rauem oder sehr nassem Holz ist das Kennzeichen weniger scharf; die Stempel verschleißen; der Brand ist auf dunklem oder verschmutztem Holz schwerer lesbar; jede Änderung des Designs erfordert einen neuen Stempel

Stempelfarbe und Schablonen

Ein Gummi- oder Metallstempel bzw. eine Schablone trägt Farbe oder Lack auf. Das Verfahren ist günstig und flexibel und für das ISPM-15-Kennzeichen sowie für Kundenkennzeichen verbreitet.

  • Vorteile: geringe Kosten, einfache Designänderungen, schnell auf ebenen Flächen
  • Nachteile: die Farbe muss über die Lebensdauer der Palette haltbar, wasserunlöslich und hitzebeständig sein; Verschmieren und Verblassen sind häufige Probleme; sorgfältige Arbeitsweise des Bedieners erforderlich

Tintenstrahl- und Laserkennzeichnung

Industrielle Tintenstrahldrucker bedrucken die laufende Palette mit Text, Codes und Logos. Laserbeschrifter brennen Kennzeichen ohne Tinte ein. Hersteller von Palettenklötzen weisen darauf hin, dass moderne Klötze aus Holzspänen mit Tintenstrahl bedruckt werden können und QR-Codes annehmen.

  • Vorteile: variable Daten wie Datum und Seriennummer, hohe Geschwindigkeit, scharfe Codes, keine Stempel zu wechseln
  • Nachteile: höhere Anlagenkosten; die Tintenhaftung hängt von Oberfläche und Feuchte ab; Druckköpfe erfordern Wartung; die Dauerhaftigkeit des Kennzeichens muss geprüft werden

Etiketten und Anhänger

Klebeetiketten oder Anhänger dienen für Logistikdaten wie SSCC, Produkt- und Chargennummern. Für das ISPM-15-Kennzeichen sind sie nicht das geeignete Mittel, sofern die Vorschriften der NPPO dies nicht erlauben, und das Kennzeichen muss dauerhaft und nicht übertragbar bleiben. Vor dem Einsatz eines Etiketts für einen behördlichen Zweck ist die zuständige Behörde zu fragen.

RFID und QR-Codes

RFID-Transponder, die an die Palette genagelt oder geklebt werden, sowie aufgedruckte QR-Codes ermöglichen eine eindeutige Identität jeder einzelnen Palette und unterstützen Nachverfolgung, Verlustkontrolle und Poolverwaltung; siehe Palettenverfolgung und IoT und Palettenverluste und Kontrolle. Sie ergänzen die vorgeschriebenen Kennzeichen, ersetzen sie aber nicht.

Verfahren Haltbarkeit Variable Daten Typischer Einsatz
Brandstempel Sehr hoch Gering (feste Stempel) ISPM 15 und Markenkennzeichen
Stempelfarbe oder Schablone Mittel Gering ISPM 15 (wo zulässig), Kundenkennzeichen
Tintenstrahl Mittel bis hoch bei geeigneter Tinte Hoch Datum, Chargencodes, QR
Laser Hoch Hoch Codes und Identifikation
Etikett Gering bis mittel Hoch Logistikdaten
RFID-Transponder Hoch Sehr hoch Nachverfolgung, Pooling
Brandstation mit beheiztem ISPM-15-Stempel, der das Kennzeichen auf einen Palettenklotz prägt
Brandstation mit beheiztem ISPM-15-Stempel, der das Kennzeichen auf einen Palettenklotz prägt

EPAL-Kennzeichnung

Die EPAL-Europalette ist das bekannteste Beispiel für eine verbindlich vorgeschriebene Markenkennzeichnung. Laut EPAL muss seit dem 1. August 2013 bei allen vier Eckklötzen die EPAL-Marke eingebrannt sein, und der mittlere Klotz muss mit der Lizenznummer sowie Jahr und Monat der Herstellung gebrannt sein. Die unteren Randbretter sind abgeschrägt, und neue Paletten tragen eine fälschungssichere Kontrollklammer am mittleren Klotz. Anhand dieser Kennzeichen können Kontrolleure echte Paletten und den Reparaturbetrieb erkennen; siehe EPAL-Kennzeichnung und „Gefälschte Europaletten“.

Praktische Regeln für Werke

  1. An einer festen Station kennzeichnen und nach dokumentiertem Verfahren, damit nicht gekennzeichnete oder unbehandelte Paletten nicht gestempelt werden können.
  2. Kennzeichnungswerkzeuge unter Kontrolle halten. Stempel mit der Erzeugernummer müssen weggeschlossen und nur an befugtes Personal ausgegeben werden.
  3. Die Lesbarkeit prüfen an einer Stichprobe von Paletten nach Trocknung, Stapelung und Handhabung, und verschlissene Stempel frühzeitig ersetzen.
  4. Unzulässige Farben vermeiden und bei Kennzeichnung vor der Behandlung eine für hitzebehandeltes Holz zugelassene Farbe wählen.
  5. Aufzeichnungen führen, in denen Behandlung und Kennzeichnung über die Charge verknüpft sind; siehe „ISPM-15-Dokumentation“.
  6. Kennzeichen dort anbringen, wo sie sichtbar bleiben, wenn Paletten gestapelt, umwickelt oder in einen Container verladen werden.
  7. Reparierte Paletten nicht nachlässig kennzeichnen. Für reparierte und wiederverwendete Verpackungen gelten eigene Regeln; siehe „Wiederverwendetes und repariertes Verpackungsholz“.
Nahaufnahme eines ISPM-15-Kennzeichens und der EPAL-Brandmarke auf dem Eckklotz einer Palette
Nahaufnahme eines ISPM-15-Kennzeichens und der EPAL-Brandmarke auf dem Eckklotz einer Palette

Häufige Fragen

Darf ein ISPM-15-Kennzeichen handgeschrieben sein?

Nein. Das Kennzeichen muss dem Standardlayout entsprechen, von einem zugelassenen Erzeuger angebracht werden sowie lesbar und dauerhaft sein; von Hand gezeichnet werden darf es nicht.

Welches Kennzeichnungsverfahren ist für ISPM 15 am besten?

Der Brandstempel ist am haltbarsten und am weitesten verbreitet, doch Stempelfarbe, Schablonen sowie Laser- oder Tintenstrahlkennzeichnung kommen zum Einsatz, wo die Behörde sie zulässt und das Kennzeichen dauerhaft und lesbar bleibt.

Wo sollte das Kennzeichen auf einer Palette angebracht werden?

Es sollte sichtbar sein, vorzugsweise auf mindestens zwei gegenüberliegenden Seiten der Einheit. Bei Paletten sind die Seiten der Klötze übliche Positionen.

Ersetzen QR-Codes oder RFID-Transponder die vorgeschriebenen Kennzeichen?

Nein. Sie liefern zusätzliche Informationen zur Nachverfolgung, während das ISPM-15-Kennzeichen und Markenkennzeichen wie EPAL eigene Anforderungen sind.

Quellen

  1. Regulation of wood packaging material in international trade (ISPM 15) — International Plant Protection Convention
  2. ISPM 15 marking requirements workshop material — International Plant Protection Convention
  3. EPAL Euro Pallet Quality Characteristics — European Pallet Association
  4. First conference of European manufacturers of EPAL wood-chip blocks — European Pallet Association
  5. ISPM 15 — Wikipedia