Logistik & Handling

Palettenregalsysteme und Palettenkompatibilität

Fachboden-, Einfahr-, Einschub- und Durchlaufregale im Vergleich, mit EN 15512, 15620 und 15635, Traversenabstand, Palettenanforderungen und Prüfpflichten.

TamEpalAktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Ein Palettenregal ist ein Stahlrahmensystem, das beladene Paletten auf waagerechten Traversen in mehreren Ebenen lagert. Die wichtigsten Bauarten sind das Fachbodenregal bzw. Palettenregal (jede Palette direkt zugänglich), das Einfahrregal (tiefe Gassen, höchste Dichte, Last-in-first-out), das Einschubregal (Paletten auf geneigten, ineinandergreifenden Wagen, Last-in-first-out) und das Palettendurchlaufregal (Schwerkraftrollen, First-in-first-out). Welches System auch gewählt wird: Die Palette muss dazu passen, denn ihr Unterdeck, ihre Steifigkeit und ihr Zustand entscheiden darüber, ob sie die Traversen sicher überspannen kann.

Die wichtigsten Regalsysteme

System Zugriff Lagerumschlag Lagerdichte Typischer Einsatz
Fachbodenregal (Selektiv) Jede Palette direkt zugänglich; ein- oder doppeltief FIFO oder LIFO möglich Niedriger, benötigt viele Gassen Breites Sortiment, wenige Paletten je Artikel
Einfahr-/Durchfahrregal Der Stapler fährt in die Lagergassen; eingeschränkter Zugriff LIFO (Durchfahrregal kann FIFO erlauben) Am höchsten, Gassen entfallen Große Mengen weniger Artikel
Einschubregal Paletten mehrere tief auf geneigten Wagen; Zugriff von einem Gang LIFO Mittel bis hoch Mittlere Palettenzahl je Artikel
Palettendurchlaufregal (Schwerkraft) Paletten rollen auf geneigten Rollen von der Beschickungs- zur Entnahmeseite FIFO Hoch Verderbliche, datumsempfindliche Waren, Kommissionierung

Ein Vergleich eines Regalanbieters fasst den Zielkonflikt zusammen: Fachbodenregale stellen Flexibilität und häufigen Zugriff über die Dichte, Einschubregale verbinden Dichte mit angemessener Selektivität, und Einfahrregale maximieren das Lagervolumen, opfern aber die Zugänglichkeit und erfordern Bestände, die mit Last-in-first-out-Handling vereinbar sind. Durchfahrvarianten und andere Bauarten wie Doppeltief-, Shuttle- und Verschieberegale erweitern diese Möglichkeiten. Hochautomatisierte Systeme werden in Paletten in automatisierten Lagern behandelt.

Reihe von Palettenregalen mit beladenen Europaletten auf den Traversen und einem Schubmaststapler in der Gasse
Reihe von Palettenregalen mit beladenen Europaletten auf den Traversen und einem Schubmaststapler in der Gasse

Anwendbare Normen

In Europa wird das verstellbare Palettenregal durch eine Familie von CEN-Normen geregelt:

  • EN 15512: Bemessung von ortsfesten Regalsystemen aus Stahl (verstellbare Palettenregale), die Norm für die statische Auslegung.
  • EN 15620: Toleranzen, Verformungen und Spielräume.
  • EN 15629: Spezifikation von Lagereinrichtungen.
  • EN 15635: Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen, die laufende Sichtkontrollen und dokumentierte Expertenprüfungen in regelmäßigen Abständen verlangt.

In den Vereinigten Staaten ist ANSI MH16.1 die maßgebliche Norm für Auslegung, Prüfung und Nutzung von Industrie-Stahlregalen. Örtliche Bau- und Brandschutzvorschriften stellen zusätzliche Anforderungen an Erdbebenauslegung, Sprinklerabstände und Lastkennzeichnung.

Regale müssen sichtbare Lastschilder tragen, die die zulässigen Lasten je Traversenebene und je Feld angeben. Der Regalbetreiber ist für die Prüfung und die Behebung von Schäden verantwortlich; ein beschädigter Ständer oder eine beschädigte Traverse kann ohne Vorwarnung versagen.

Planung von Traversen und Feldern

Gängige Planungsgrößen für Palettenregale sind die Traversenlast (Tragfähigkeit je Traversenebene), die Feldlast (Summe aller Ebenen eines Felds), der Ebenenabstand (vertikaler Abstand zwischen den Ebenen) und die Gangbreite. Der Ebenenabstand muss der Palettenhöhe plus der Ladungshöhe plus dem Spielraum zum Ein- und Auslagern der Paletten entsprechen. Die Ständertiefe muss gewährleisten, dass die Palette sicher auf beiden Traversen aufliegt, und die Gangbreite sollte zum Staplertyp und seinem Wendekreis passen.

Typische Entscheidungspunkte:

  1. Palettengröße und Ausrichtung im Feld, mit der Zahl der Paletten je Ebene.
  2. Last je Palette und die Traversentragfähigkeit für diese Last.
  3. Fördertechnik: Gegengewichtsstapler, Schubmaststapler, Schmalgangstapler oder automatisierter Kran; siehe Gabelstapler, Hubwagen und Palettenkompatibilität.
  4. Gebäudehöhe, Sprinkler und Beleuchtung.
  5. Regalschutz: Anfahrschutz und Ständerschutz gegen Staplerstöße.

Palettenanforderungen im Regal

Eine Palette im Regal wird nicht über ihre gesamte Fläche unterstützt. Sie ruht auf zwei Traversen (oder auf Auflagen) und wird dazwischen belastet, sodass sie sich durchbiegt. Durchbiegung und Auflagefläche bestimmen die wichtigsten Palettenanforderungen:

  • Regalbelastbarkeit: Auf Traversen eingesetzte Paletten müssen eine geprüfte Regallast haben, üblicherweise ermittelt mit einem Test wie ISO 8611 (siehe Prüfnormen für Paletten); der Wert hängt vom Traversenabstand ab. Eine für eine Traversenspannweite zugelassene Palette ist bei einer anderen möglicherweise nicht sicher.
  • Ausrichtung: Paletten sind für bestimmte Ausrichtungen ausgelegt. Eine Palette, die mit Brettern oder Kufen quer über die Traversen stabil ist, eignet sich in der anderen Richtung möglicherweise nicht. Die Anweisungen des Palettenherstellers und die Auslegung des Regalanbieters sind zu beachten.
  • Unterdeck: Die Bodenbretter oder Kufen müssen die Traversen mit ausreichender Auflage erreichen. Paletten mit offenem Unterdeck und Paletten mit fehlenden Bodenbrettern sind ungeeignet.
  • Zustand: Beschädigte, gebrochene oder verzogene Paletten sind eine häufige Ursache von Regalunfällen. Sie sind auszusondern und nicht ins Regal zu stellen.
  • Überstand: Paletten dürfen nicht so weit über die Traversen hinausragen, dass sie die Auflage verlieren, und die Ladung darf nicht so über die Palette hinausragen, dass sie mit dem Regal kollidiert.
  • Bündige, steife Decks: Vorstehende Nägel, lose Bretter und weicher, durchhängender Kunststoff können Verklemmungen verursachen, besonders in Einschub-, Durchlauf- und automatisierten Systemen.
  • Gleicher Palettentyp: Das Mischen von Palettentypen in Einfahr- und Durchlaufgassen führt zu Verklemmungen und instabilen Stapeln.

Die in Frage kommenden Palettentypen erläutert Stapel-, Regal- und Nestpaletten, die statische, dynamische und Regallast einer Palette Tragfähigkeit von Paletten.

Hinweise zu einzelnen Systemen

Einfahr- und Durchfahrregal

Die Paletten ruhen auf Schienen, die von Ständern getragen werden; die äußeren Bretter oder Kufen der Paletten müssen daher auf den Schienen aufliegen. Stapler fahren in die Gassen ein, wodurch das Regal anfällig für Anfahrschäden ist; Führungsschienen und sorgfältiges Fahren sind nötig. Die Palettenqualität ist von großer Bedeutung, weil die eingelagerte Palette nur an ihren Rändern abgestützt wird.

Einschubregal

Die Paletten stehen auf Wagen, die auf geneigten Schienen rollen. Glatte, ebene Palettenunterseiten und eine einheitliche Größe sorgen für zuverlässige Bewegung. Unterschiede im Palettentyp, beschädigte Bretter oder lose Folie können die Wagen blockieren.

Palettendurchlaufregal

Die Paletten rollen auf Rollen oder Rädern. Das Unterdeck muss eben und durchgehend genug zum Rollen sein, und Paletten mit offenem Unterdeck oder vorstehenden Nägeln können hängen bleiben. Viele Anlagen schreiben deshalb einen bestimmten Palettentyp vor, etwa eine Kunststoff- oder Klotzpalette mit geschlossenen Kufen.

Prüfung und Wartung

Die Regalsicherheit beruht auf drei Gewohnheiten: sichtbare Lastschilder, Schutz vor Anfahrschäden und regelmäßige Prüfung. EN 15635 verlangt sowohl laufende Sichtkontrollen durch geschultes Personal als auch eine dokumentierte Expertenprüfung in regelmäßigen Abständen. Bei einer Regalprüfung wird typischerweise nach beschädigten oder verbogenen Ständern, verformten oder gelösten Traversen, fehlenden Traversensicherungen, Problemen bei der Bodenverankerung sowie überlasteten oder falsch ausgerichteten Paletten gesucht. Beschädigte Bauteile sollten entladen und nach den Vorgaben des Lieferanten repariert oder ersetzt werden. Der Brandschutz, etwa Regalsprinkler, wo erforderlich, muss in der Planung berücksichtigt werden.

Schubmaststapler setzt eine Palette in ein Hochregal mit Fachböden; am Ständer ein Lastschild
Schubmaststapler setzt eine Palette in ein Hochregal mit Fachböden; am Ständer ein Lastschild

Häufige Fragen

Welches Regalsystem eignet sich am besten für hohe Lagerdichte?

Das Einfahrregal hat die höchste Lagerdichte, weil es Gassen einspart, arbeitet aber nach Last-in-first-out und schränkt den Zugriff ein. Einschub- und Durchlaufregale sind Alternativen mit besserer Selektivität bzw. FIFO-Umschlag.

Welche Normen regeln Palettenregale in Europa?

EN 15512 regelt die statische Bemessung, EN 15620 Toleranzen und Spielräume, EN 15629 die Spezifikation und EN 15635 Nutzung, Prüfung und Wartung von Regalen.

Kann jede Palette im Regal verwendet werden?

Nein. Die Palette braucht eine Regalbelastbarkeit für die Traversenspannweite, ein intaktes Unterdeck und die richtige Ausrichtung. Beschädigte Paletten und Paletten ohne ausgelegtes Unterdeck gehören nicht ins Regal.

Wie oft müssen Regale geprüft werden?

EN 15635 verlangt laufende Sichtkontrollen und eine dokumentierte Expertenprüfung in regelmäßigen Abständen. Das Intervall ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers und den örtlichen Vorschriften; viele Betreiber setzen jährliche Prüfungen an.

Quellen

  1. Pallet racking planning — Boxic24
  2. How to choose between selective, pushback and drive-in racking — ECS Eco
  3. What does the rack inspection check? — SSI Schaefer
  4. Choosing the right storage rack system — Manufacturing.net
  5. How Much Load Can My Pallet Carry? — Virginia Tech Center for Packaging and Unit Load Design